Alles neu, nicht nur hier

Ab dem 1. Juni 2015 wird Radio F.R.E.I. auf voller Frequenz senden.

Am 25. März 2015 gab es für Radio F.R.E.I. die volle Lizenz zum...

die F.R.E.I.-Fläche am Tag der offiziellen Verkündung


Die „gutwillige“, „fleißige“ Mehrheit der „Volksgemeinschaft“ kommt für „Ballastexistenzen“, „Schädlinge“, „unnütze Esser“ oder „Gemeinschaftsfremde“ auf. Es ist an der ZAiD, DAS zu hinterfragen! DAS ist ein Teil der Geschichte des Wortes „asozial“. Zwar hat es heutzutage keine juristischen Konsequenzen mehr, wenn jemandem diese Bürde aufersprochen wird, aber der Mechanismus der Marginalisierung gehört gerade in einer verwertungslogistischen Gesellschaft beleuchtet und reflektiert. Dies zu tun gedenkt der kürzlich gegründete „Zentralrat der Asozialen in Deutschland“. Fabian Ekstedt von Radio LORA hat mit Künstler und Erstem Sprecher des ZAiD Tucké Royale gesprochen.

Tucké Royale photographiert von Selim Sudheimer


Die Leipziger Buchmesse 2015 ist vorbei und ich war nicht dabei, also alles wie immer.

Kollege Max von coloRadio war dort und hat mit Vertreter*innen mir größtenteils unbekannter Verlage gesprochen.  Entdecken durfte ich das Modell der Verlagsbuchhandlung und den Gonzo Verlag, welcher ein wichtiges Thema aufgreift: das Spannungsfeld zwischen Fakt und Fiktion. Für den audiophilen Genuss sorgt die Jugendredaktion mit der Hörprobe einer Graphic Novel (Verlag Reprodukt, Audio 2).

Und es gab viel Poetry Slam. Warum klingt das eigentlich immer so?

Neben allem() gab es eine Überraschung: ein Lyrikband hat den Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Belletristik gewonnen. Interessante Einblicke in die Juryarbeit gewährte Hubert Winkels im Deutschlandfunk. Angeblich hätte man in der Jury erst mal nachforschen müssen, ob der Preis für Belletristik eine Auszeichnung von Lyrik erlaubt… Ist denn im richtigen Leben wirklich alles anders als in der Schule?

Das dlf-Trio diskutierte außerdem, ob man mit Lyrik und Prosa nicht Äpfel mit Birnen vergleiche, es also nicht sinnvoller wäre, eine eigene Kategorie für Lyrik zu schaffen. Damit würde man der Lyrik allerdings wieder nur eine weitere Nische schaufeln. Laut Winkels sei die Jury-Entscheidung aber alles andere als eine didaktische gewesen. Man hätte sich die Gedichte laut vorgelesen und das hätte sinnlich überzeugt.

Ich habe mir mal den Spaß gemacht, nach einem vermeintlichen Effekt der publikumsträchtigen Prämierung des Lyrikbands von Jan Wagner zu suchen. Alle Rezensionen auf amazon wurden im Jahr 2015 veröffentlicht; das Buch  erschien im Sommer 2014, begleitet durch das Feuilleton. Wer sitzt im Publikum von Buschbesprechungen im Feuilleton? Schreiben Feuilleton-Leser*innen keine amazon-Rezensionen? Nach welchen Kriterien wählen amazon-Rezensent*innen Bücher aus? Inwiefern ist ein Preis, eine Besprechung oder eine Erwähnung auf Youtube ein Leseargument?

Auf amazon tut sich derweil ein Graben auf zwischen 5-Sterne- und 1-Stern-Bewertungen, „Intellektuellen“ und „Normalbürgern“:

„Es ist das Fatale moderner Lyrik, und Wagner bildet da im Gegenteil keine Ausnahme […], dass sie beim unvoreingenommenen, auch beim neugierigen, indes nicht in moderner Lyrik geübtem Leser, […] schon beim ersten Gedicht eine Art von Unwillen auslöst. Unwille, weil, das da Aufgeschriebene sich nicht dem Verstand unterwerfen will. Bei mir ist es manchmal sogar Zorn, weil ich nicht verstehen kann, was da geschrieben wurde. Und, wie können wir uns auch in fremde Denkinhalte einloggen – das ist unmöglich. […] Frustriert leg ich das Gedicht beiseite, und die Wut wächst in mir: Bin ich zu blöd!? Was verflixt meint der Kerl? […] Aber, ist das noch Kunst, wenn sie erklärt werden muss. Kunst, die Erklärung braucht, ist keine Kunst. Oder? „

Wie elitär ist moderne Lyrik? Ist Lyrik Nische? Sollte man dem entgegenwirken? Wie?


Auf Wiederhören!

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